Potsdam: WerkStadt für Beteiligung
Die Landeshauptstadt Potsdam verfügt mit der WerkStadt für Beteiligung über eine zweiteilige Struktur: Eines der beiden Büros ist Teil der Verwaltung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind maßgeblich dafür zuständig, die Rahmenbedingungen für qualitätsorientierte Beteiligungsprozesse aus der Verwaltung heraus zu stärken. Das zweite Büro der WerkStadt für Beteiligung wird von einem zivilgesellschaftlichen Träger (mitMachen e.V.) betrieben und befasst sich mit Beteiligungsanliegen, die aus der Zivilgesellschaft heraus entstehen. Diese Struktur – auch Potsdamer Modell genannt - wurde inzwischen von anderen Städten und Kommunen übernommen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten als ein gemeinsames Team zusammen, um den Einwohnerinnen und Einwohnern die Mitsprache bei Fragen zur Entwicklung ihrer Stadt zu ermöglichen.
Zur Entstehung
Schon Mitte der 2000er Jahre begann unter dem Schlagwort „Bürgerkommune“ ein Diskussionsprozess für ein Mehr an Beteiligung in Potsdam bei Planungen sowie Vorhaben der Stadt in verschiedenen Themenbereichen. 2011 wurden erstmals Grundsätze als Richtschnur und Orientierung beim Thema Beteiligung in Potsdam formuliert. Die Grundsätze lauten:
- Verbindlichkeit
- frühzeitige Einbeziehung
- Informationsbereitstellung
- Kommunikation
- Aktivierung
- Anerkennungskultur
- Chancengleichheit.
Diese sieben Grundsätze waren auch Bestandteil des Beschlusses zur Schaffung eines Beteiligungsrats und der “WerkStadt für Beteiligung“ im Jahr 2013. Die Anbindung an die Stadtpolitik wird derzeit über den Potsdamer Hauptausschuss gewährleistet. Damit ist die WerkStadt Schnittstelle zwischen Verwaltung, Stadtverordneten sowie Einwohnererschaft.
Sowohl für die verwaltungsinterne als auch die externe Einheit wurden innerhalb der Stadtverwaltung Potsdam je drei Personalstellen geschaffen und jeweils für einen mehrjährigen Zeitraum in einem Zuwendungsverfahren ausgeschrieben. Seit 2014 nimmt diese Aufgabe der gemeinnützige mitMachen e. V. wahr, der dafür eine Zuwendung der Landeshauptstadt erhält. Die WerkStadt steht als Kompetenzstelle sowohl der Zivilgesellschaft als auch der Verwaltung der Landeshauptstadt gleichermaßen zur Verfügung. Dabei reicht ihr Leistungsspektrum von beratenden Tätigkeiten bis zur Entwicklung und Begleitung mehrstufiger Beteiligungsprozesse hin zur Anpassung von Verwaltungsstrukturen, die die Wirksamkeit von Beteiligung fördern.
Die Besonderheit dieses paritätischen Modells besteht in dem Agieren auf Augenhöhe zwischen Verwaltung und einem verwaltungsexternen Träger. So dient die WerkStadt als gut zugängliche Stelle zur Beratung und Unterstützung von Beteiligung sowohl für Mitarbeitende der Verwaltung als auch für die einzelnen aktiven Einwohnerinnen und Einwohner, für Vereine, Initiativen und Interessengemeinschaften.
Der Potsdamer Beteiligungsrat
Die Arbeit der WerkStadt für Beteiligung wird vom ehrenamtlichen Potsdamer Beteiligungsrat unterstützt und bei der konzeptionellen Weiterentwicklung der Beteiligung beraten. Der Beteiligungsrat besteht aus 17 Mitgliedern. Zusammengesetzt aus zwei Mitarbeitenden der Verwaltung, zwei Stadtverordneten und 13 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Einwohnerinnen und Einwohner werden über ein Losverfahren bestimmt und können von der Möglichkeit der einmaligen Amtszeitverlängerung Gebrauch machen. Für ausscheidende Mitglieder gibt es eine Nachrückliste. Zudem wird der Rat von zwei Experten, Prof. em. Dr. Heinz Kleger und Franziska Wilke, beraten.
Beispielhafte Beteiligungsaspekte
Die „WerkStadt für Beteiligung“ konnte seit ihrer Gründung zahlreiche Beteiligungsprozesse unterstützen und begleiten. In einem Report hat die WerkStadt für Beteiligung Anfang 2024 ihre Arbeit in den Jahren 2015 bis 2021 statistisch aufbereitet dargestellt. In diesem Zeitraum sind durchschnittlich jährlich mehr als 60 Beteiligungsverfahren begleitet worden. Die Themenbereiche sind vielschichtig. Sie reichen von der Kulturpolitik bis zur Verkehrsentwicklung. Nachlesen können Sie hier.
Fazit
Die WerkStadt für Beteiligung ist
- Anwältin für gute Beteiligung
- berät mit Expertise und Erfahrung zu Partizipation und Beteiligung
- verbindet die Perspektiven von Zivilgesellschaft, Stadtpolitik und Verwaltung.
Durch eine umfassende Vernetzung zu anderen Initiativen, Stadtteilräten, Bürgervertretungen und Einrichtungen werden Hürden für die Beteiligung abgebaut, Hilfestellungen gegeben und Ansprechpartner vermittelt, so dass Potsdamer Beteiligungsverfahren von einem niedrigschwelligen Zugang profitieren.
Kontinuierlich wird Beteiligung in Potsdam weiterentwickelt. So startete Anfang 2025 eine neue digitale Website zur Beteiligung aller Einwohnenden. Dort können Interessierte künftig u.a. alle Informationen rund um den Bürgerhaushalt erhalten, Ideen eingeben, Mängel melden, an Umfragen teilnehmen und miteinander diskutieren.